Faustball ist eine der ältesten Sportarten der Welt. In der Mitte ist das Spielfeld durch ein 2m hohes Band in zwei Spielhälften geteilt. Eine Mannschaft besteht aus fünf Spielern und maximal drei Auswechselspielern. Beim Faustball muss der Ball einarmig, mit der Faust oder dem Unterarm so in das gegnerische Feld gespielt werden, dass er nicht mehr zurückgespielt werden kann. Mit maximal drei Ballkontakten muss der Ball über das Band zurückgespielt werden, vor jeder Ballberührung durch einen Spieler ist ein einmaliger Bodenkontakt des Balles erlaubt. Im Bereich des Schwäbischen Turnerbundes sind rund 7.000 Faustballer/innen im Liga Spielbetrieb aktiv.

Im Juli 2017 finden im polnischen Breslau die 10. World Games statt. Das deutsche Männerteam ist amtierender Welt- und Europameister und will den nächsten Titel. Christian „Chris“ Löwe vom NLV Stuttgart-Vaihingen ist Co-Trainer der Männer-Nationalmannschaft und verrät, wie es um Gegenwart und Zukunft des Männer-Faustballs steht.

Chris, als Spieler zwölf Jahre Bundesliga, sieben Einsätze für die Nationalmannschaft und einen Vize-Weltmeistertitel. Lässt sich das als Trainer toppen?

Als Co-Trainer in der Nationalmannschaft kann ich sogar mehr Erfolge vorweisen. (lacht) Seit ich 2006 angefangen habe, haben wir alles geholt, was es im Faustball zu holen gibt. Zweimal Weltmeister, zweimal Europameister und einmal World-Games-Sieger. Bei der WM 2019 und bei den jetzt anstehenden World Games lautet unser Ziel deshalb ganz klar: Titelgewinn.

Warum ist Faustball, bei all diesen Erfolgen, immer noch eine Randsportart?

Faustball gilt als echte Insider-Sportart. Wir befinden uns auf dem richtigen Weg, aber große Sprünge sind kaum noch möglich.

Mit „große Sprünge“ meinst du die Teilnahme bei Olympia?

Wir wollen uns zunächst einmal im Umfeld der World Games festsetzen. Die Teilnahme daran ist ein wichtiger Schritt in Richtung Olympia, aber momentan ist das ganze Thema nicht mehr als ein schöner Traum. Ich bin sowieso ein Freund kleinerer Schritte.

Und wie sehen diese kleinen Schritte aus?

Die Bundesliga weiterzuentwickeln ist schwierig. Deshalb versuchen wir, uns auf Veranstaltungen mit Eventcharakter zu fokussieren wie eine WM oder EM. Wir können problemlos
Events mit 10 000 Zuschauern stemmen. Darin liegt unsere Chance.

Gibt es schon konkrete Pläne?

Bald steht ja die World Tour an. Dort nimmt man an einzelnen Turnieren teil und sammelt Punkte. Am Ende spielen die besten Teams eine Art Finale. So ein Turnier nur in Deutschland, das wäre eine tolle Sache, um Faustball hier noch attraktiver zu machen, aber die Ideen dazu sind noch nicht konkret genug.

Wie stehen die STB-Teams zurzeit da?

Auf nationaler Ebene reicht es für die STB-Herrenteams aktuell nicht ganz an die Spitze. Wenn man sich allerdings den Jugendbereich anschaut, dann sind die Schwaben sehr dominant. Das wird sich künftig im A-Kader widerspiegeln. Für uns ist es wichtig, diese Talente jetzt konsequent weiter zu entwickeln. 

Die deutsche Nationalhymne dröhnt aus den Stadionboxen, mehr als 2500 Zuschauer singen mit und warten voller Spannung auf den Anpfiff, die Sonne sorgt für erste Schweißperlen auf der Stirn. Kolja Meyer vom TV Vaihingen/Enz erinnert sich noch sehr gut an seinen ersten Einsatz in der Nationalmannschaft.

„Das Nationaltrikot zu tragen, war ein ganz besonderes Feeling. Mein erstes Mal war bei der Europameisterschaft in Stuttgart-Stammheim“, erzählt Kolja Meyer über Spiel Nummer eins mit dem Adler auf der Brust. Rund 10 000 Zuschauer an den drei Turniertagen verfolgten das EM-Spektakel im Juli 2008. Trotz einer starken Leistung landeten die deutschen Herren nur auf Rang drei. Im Spiel um Bronze gewann die Nationalmannschaft mit Kolja Meyer gegen Italien: „Die Stimmung im Stadion war super. Das war natürlich ein absolutes
Highlight für mich.“ Platz eins sicherten sich damals die Österreicher gegen die Schweiz.

Obwohl es international nicht für einen großen Titel reichte, kann sich Koljas Erfolgsbilanz sehen lassen: 15 Einsätze im Nationalteam, zweimal Europapokalsieger und
Deutscher Meister. In der 1. Bundesliga Süd läuft der 35-Jährige immer noch regelmäßig für seinen Heimatverein TV Vaihingen/Enz auf. Sein Vater, selbst leidenschaftlicher
Faustballer, nahm ihn im Alter von sechs Jahren das erstes Mal mit aufs Feld. Die Anfänge waren jedoch wenig motivierend: „Damals gab es noch keine U10 so wie heute. Wenn du als kleiner Fratz gegen 12-Jährige spielst, dann ist das nicht so toll, aber die Hauptsache ist, man entwickelt sich weiter.“

Seine Erfahrung gibt Kolja Meyer heute als U18-Nationaltrainer der Herren an seine Schützlinge weiter. Seit Sommer 2016 ist der Technik-Lehrer im Amt und bastelt bereits eifrig an der diesjährigen Europameisterschaft in der Schweiz. Eindeutiges Ziel: EM-Titel verteidigen.

Wie es um den Faustball-Nachwuchs steht

Im Vergleich zu anderen Vereinen oder Sportarten ist die Jugendabteilung des TV Vaihingen/Enz recht breit aufgestellt. „Wenn die Kinder zu uns kommen und wir denen
was Gutes anbieten, dann hält man die ganz locker bei der Stange. Es gibt auch viele Eltern, die eben nicht zum Fußball oder Handball wollen.“ Doch auch wie im Elternhaus verlassen die Kinder irgendwann mal das warme Nest. Davon profitieren vor allem Faustball-Bundesligisten, die ihren Bedarf mit guten Spielern aus kleineren Vereinen decken. Kolja ist sich dessen bewusst, sorgt sich aber nicht um den Nachwuchs: „In Sachen Jugendarbeit gehören wir zu den größten Vereinen im STB.“

Faustball-Hochburgen im STB-Land

Baden-Württemberg gilt nicht nur in puncto Nachwuchs als eine der größten Faustball-Regionen in Deutschland. Neben dem TV Vaihingen/Enz sind viele weitere schwäbische Teams in den Faust-ball-Bundesligen zu finden. Für Kolja kein Wechselgrund: Er verbrachte sein ganzes Faustballer-Leben bei nur einem Club. „Beim Faustball hängt der Erfolg nicht davon ab, in welchem Verein man spielt, sondern vom Team und vom Trainer.“ An seine Erfolge und die tolle EM-Endspielstimmung von einst erinnert sich Kolja gerne zurück, nur an die Platzierung will er sich immer noch nicht so recht gewöhnen.

Faustball ist eine der ältesten Sportarten der Welt. Sie gilt aber immer noch als Insider-Sportart, deren Regeln vielleicht nicht jedem bekannt sind. Dabei sind rund 30 000 Faustballer bundesweit aktiv, davon rund 7000 beim Schwäbischen Turnerbund. Das sogenannte Rückschlagspiel ähnelt dem Volleyball insofern, als dass sich zwei Teams auf einem Feld gegenüberstehen, die einen Ball über ein Netz in die Hälfte des Gegners bringen. In der Mitte ist das Spielfeld durch ein zwei Meter hohes Band in zwei Spielhälften geteilt. Band und Pfosten dürfen weder von einem Spieler noch vom Ball berührt werden; dies gilt als Fehler. Eine Mannschaft besteht aus fünf Spielern und maximal drei
Auswechselspielern.

Als ich mich – zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt – näher mit Faustball beschäftige, stolpere ich über das Wort „Bauerntennis“. Offensichtlich ist das einer dieser Klischeebegriffe, mit denen sich FaustballerInnen häufig konfrontiert sehen. Mein persönliches Bild von Faustballern sind alte Herren, die einen Ball über eine Schnur boxen. Woher dieses Bild kommt, weiß ich nicht. Es ist einfach da. Um mir einen echten Eindruck vom „Bauerntennis“ zu machen, fahre ich nach Stuttgart-Stammheim. Die Mädels des hiesigen Turnvereins spielen immerhin in der 2. Bundesliga Süd der Frauen. Respekt. Ich habe noch nie Bundesliga gespielt. Als ich den heiligen Faustballrasen betrete, wartet die erste Überraschung.

Die Damen haben kein spezielles Schuhwerk an den Füßen, sondern handelsübliche Fußballschuhe mit Nocken. Zweite Überraschung: Die Truppe ist recht jung, also nix mit Alte-Leute-Sportart. „Mit Mitte 20 ist man im besten Faustballalter“, versichert mir TV-Kapitänin Lena Scherer.

Lang- statt Kurzarm

Dass die Mädels in Langarm-Shirts trainieren, verwundert mich angesichts frischer Temperaturen nicht. Dass sie allerdings immer langärmlig spielen, schon. Den Vergleich zum Volleyball kann ich mir dann wohl auch aus dem Kopf streichen. „Mit langen Ärmeln ist es wesentlich angenehmer“, so Lena.

Die einarmige Sportart

Beim Faustball muss der Ball einarmig, mit der Faust oder dem Unterarm so in das gegnerische Feld gespielt werden, dass er nicht mehr zurückgespielt werden kann. Mit maximal drei Ballkontakten muss der Ball über das Band zurückgespielt werden, vor jeder Ballberührung durch einen Spieler ist ein einmaliger Bodenkontakt des Balles erlaubt. Je nach Spielfeld, Mannschaft und Spielform gibt es verschiedene Varianten des Faustballs. Außenfeld ist nicht gleich Hallenfeld und Großfeld ist nicht gleich Kleinfeld. Bei Frauen- und Jugendmannschaften finden sich in der Regel kleinere Felder und niedrigere Netze.

Älteste Sportart der Welt?

Ob Faustball wirklich die älteste Sportart der Welt ist, lässt sich kaum belegen, aber zumindest ist sie eine davon. Schon drei Jahrhunderte vor Christus soll es in Italien
eine Sportart gegeben haben, bei der eine Lederkugel mit Armen und Fäusten richtig getroffen werden musste. Nach dem Trainingsabend mit der Frauenmannschaft des TV Stammheim
werde ich einige Klischees verbannen müssen. Faustball ist eine dynamische Sportart, die wenig mit meinem Bild von alten Herren und einer Schnur zu tun hat; mit Bauerntennis erst recht nicht.

News und Termine

Südd. Meisterschaften
U 18 und U 14 m+w
am 22./23.07.
Ausrichter TV Vaihingen/Enz

Europameisterschaft Frauen
Europameisterschaft Männer U 21
vom 25.-27.08.2017
Ausrichter TSV Calw

Jürgen-Wegner-Pokal (früher Heinrich-Ettinger-Pokal)
vom 2. bis 3. September 2017
für Auswahlmannschaften der Länder U 16
Ausrichter TSV Dennach
Somit steht die kleine, aber feine Faustball-Gemeinde im Nordschwarzwald wieder im Blickfeld des deutschen Faustballs, deshalb - Termin gleich vormerken!